Individuelle Hochbegabtenförderung -
Förderung hochbegabter Kinder


Begabungsförderung heißt individuelle Förderung

Begabungsförderung setzt individuelle Behandlung voraus. Für eine gesunde Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit, ein stabiles Selbstbild und psychisches Wohlbefinden ist es erforderlich, dass so früh wie möglich auf die besonderen Entwicklungsbedürfnisse hochbegabter Kinder eingegangen wird.

Zur Förderung hochbegabter Schüler gibt es unterschiedliche Maßnahmen. Übliche innerschulische Instrumentarien sind die Akzeleration (Beschleunigung) der Schulzeit durch Überspringen einer oder mehrerer Klassen, Teilakzeleration und das Enrichment (Anreichern) durch zusätzliche Fördermaßnahmen über den normalen Schulstoff hinaus. Mit all diesen Fördermaßnahmen sind Nutzen, aber auch Nachteile verbunden. Auch sind nicht alle Maßnahmen für alle Kinder gleichermaßen geeignet. Hier gilt es, die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme für jedes Kind sorgfältig abzuwägen und ihren Effekt regelmäßig zu überprüfen.

Außerschulische Maßnahmen sind in der Regel Kurse, die es hochbegabten Kindern ermöglichen, sich in kleinen Gruppen gleich befähigter Altersgenossen so intensiv mit interessanten Themen und Aufgaben auseinanderzusetzen, wie es ihren Fähigkeiten entspricht.

Viele Fallstudien haben gezeigt, dass alle diese Fördermaßnahmen dazu beitragen, hochbegabten Kindern je nach persönlicher Struktur einen guten Schulabschluss zu ermöglichen.


Innerschulische Fördermaßnahmen (Auswahl)

Welche Maßnahme(n) für das jeweilige überdurchschnittlich intelligente/hochbegabte Kind ergriffen wird, hängt neben der Intelligenz auch von Faktoren der Persönlichkeit und Umwelt ab.

Akzeleration
Akzeleration ist die Beschleunigung der Schulzeit durch vorzeitige Einschulung oder Überspringen einer Klasse. Teilakzeleration bedeutet die teilweise Teilnahme am Unterricht der nächst höheren Klasse.
Diese Maßnahme ist immer unter Berücksichtigung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes zu sehen. Sie setzt an den Stärken des Kindes an. Neben der Motivation und der Lern- und Arbeitshaltung sind die soziale Kompetenz und auch die emotionale Reife wichtige Persönlichkeitsstrukturen, die neben der hohen Intelligenz berücksichtigt werden sollten und entscheidend mit zum Erfolg dieser Maßnahme beitragen. Da dieses Vorgehen stark in die Entwicklungszeit des Kindes eingreift, ist ein genaues Abwägen der Vor- und Nachteile für das Kind erforderlich: Wie hoch ist das Risiko, dass das Kind durch das Überspringen einer Klasse - sowohl im Hinblick auf die Menge des Schulstoffs, die es aufzuholen hat, als auch im Bezug auf den Umgang mit älteren Klassenkameraden – überfordert wird? Oder ist zu erwarten, dass es dem Kind durch die höhere intellektuelle Anforderung wie auch im Hinblick auf sein emotionales Befinden besser geht als vor dem Sprung?
Während andere Kinder meist einige Übungs- und Vertiefungszeit zur Verarbeitung von Lehrstoff brauchen, können sich überdurchschnittlich intelligente Kinder schon schneller neuem Lehrstoff zuwenden.
Diese Aspekte sollten mit den Eltern ausführlich erörtert und die Vor- und Nachteile für das jeweilige Kind genauestens abgewogen werden.

Enrichment (durch die Lehrkraft)
Eine andere Möglichkeit der Förderung besteht in der Anreicherungen und Vertiefungen des Unterrichtsstoffs. Dies bevorzugen die meisten hochbegabten Kinder, die sich in ihrer Klasse wohl fühlen und die auch lieber ihren Interessen in ihrer Freizeit nachgehen.
Enrichment bedeutet, dass dem Kind nicht einfach mehr Aufgaben der gleichen Art angeboten werden, sondern erweiternde Aufgaben und Themenfelder. Diese Maßnahme, also die „differenzierende Förderung aller Schüler“, ist an den meisten Schulen mittlerweile Unterrichtsalltag. Wichtig ist es für die begabten Kinder, dass es nicht ein "mehr" an Aufgaben gibt, sondern ein "andersartig"; wiederholende Übungsaufgaben können für die SchülerInnen teilweise erlassen werden. Für den Großteil der Lehrer ist es selbstverständlich, entsprechende Ersatz-Angebote für interessierte und leistungsstarke Schüler parat zu halten. Eine Methodenvermittlung ist dabei aber genauso wichtig.
Für hochbegabte Kinder indes ist diese Unterrichtspraxis zwar ein deutlicher Gewinn, aber oft noch nicht ausreichend. Die Möglichkeiten im Rahmen der Unterrichtsstunden erlauben keine so intensive Auseinandersetzung mit bestimmten Themengebieten und Fragestellungen, wie hochbegabte Kinder es zu leisten im Stande sind. Manchmal scheitern auch die Bemühungen der Lehrer, weil ein Kind zusätzliche Aufgaben schlichtweg ablehnt. In vielen Fällen erhalten und akzeptieren Hochbegabte erschöpfende inhaltliche Angebote nur außerhalb der Schule.

Drehtürmodell
Diese schulische Maßnahme kann einem hochbegabten Kind mit Beginn der zweiten Fremdsprache angeboten werden. Hier wird es dem Schüler ermöglicht, neben der zweiten schon eine dritte Fremdsprache zu erlernen. Der Schüler nimmt sowohl am Unterricht der zweiten als auch dritten Fremdsprache teil – aber jeweils nur zur Hälfte. Hier wird von den Schülern ein hohes Maß an Motivation und Lernbereitschaft eingefordert. Diese Maßnahme ist entsprechend nur für solche hochbegabten Kinder geeignet, die effiziente Lern- und Arbeitstechniken entwickelt haben und eine gute Leistungsbereitschaft zeigen.


Außerschulische Fördermaßnahmen

Enrichment mit gleich befähigten Kindern (durch geschulte Referenten/Themenexperten)
Außerschulisches Enrichment bedeutet die Anreicherung und Erweiterung des Schulstoffs und interessanter Themengebiete durch ausgesuchte Referenten, meist in Nachmittags-, Wochenend- oder Ferienkursen.
Ziel dieser Kurse ist es, hochbegabte Kinder ergänzend zum Schulstoff intellektuell stärker auszulasten (hochbegabte Kinder lernen gern!), um zu verhindern, dass Schulunlust oder Leistungsverweigerung auftreten. Das Arbeiten in kleinen Gruppen hat klare Vorteile: Es erlaubt den Referenten, auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes einzugehen und es vom Lehrplan unabhängig zu fördern. Außerdem wirkt sich der Besuch von Kursen auch im sozialen Bereich für die Teilnehmer oftmals günstig aus: Freundschaften unter Gleichbefähigten können sich entwickeln, die Teamfähigkeit wird gefördert. Darüber hinaus verfügen die Kurse über ein weiteres Plus: Sie leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, die Kinder in ihrem gewohnten Klassenverband und ihrer häuslichen Umgebung zu belassen.


Möglichkeiten der Förderung im Kindergartenalter

Frühes Fördern ist echte Präventiv-Arbeit:
Hochbegabung bei Kleinkindern bzw. Hochbegabung im Elementarbereich bedarf einer speziellen Berücksichtigung, da hier die Hochbegabungsdiagnostik diffiziler ist. Häufig ist eine Förderung der Hochbegabung bereits bei „Verdacht“ sinnvoll, um vorbeugend mögliche psychische Störungen zu vermeiden.
In den ersten Lebensjahren wollen und können Kinder besonders gut lernen. Sie sind offen für Anregungen und entwickeln sich positiv, wenn angemessen gefördert wird. So wird schon früh der Grundstein für erfolgreiches Lernen gelegt und schlechtem Arbeitsverhalten, fehlenden Lerntechniken und mangelnder Motivation vorgebeugt. Auch im Hinblick auf die soziale Entwicklung kann es hilfreich sein, junge Kinder in speziellen Kursen für überdurchschnittlich Intelligente oder Hochbegabte zu fördern: Gerade kleine Kinder fühlen sich öfter aufgrund ihrer „Andersartigkeit“ von der Kindergartengruppe isoliert. Die Kinder in ausgesuchten Kursen zusammen zu bringen, vermittelt ihnen neben geistiger Anregung auch emotionale Stabilität.

Auch im Kindergarten oder der Kindertagesstätte können hochbegabte Kinder gut gefördert werden: Einige Einrichtungen bieten erste „Experimente“ für kleine Kinder an oder führen sie spielerisch an Fremdsprachen heran. Diese Angebote werden von hochbegabten Kindern in der Regel begeistert angenommen. Auch gibt es eine Reihe von anregenden Spielen und Materialien, zum Beispiel Strategiespiele, Konstruktions- und ausreichend Bastelmaterialien, Sachbücher und Nachschlagewerke. Die Möglichkeiten sind hier vielfältig.


Möglichkeiten der Förderung durch die Eltern

Auch zu Hause haben Eltern ausreichend Möglichkeiten, den Familienalltag interessant zu gestalten:

  • Ausflüge in Museen und Theater
  • Bücher ohne Limit: mit einem Ausweis der Stadtbücherei
  • kontrollierten Zugang zum Computer/Internet ermöglichen
  • Auswahl geeigneter Fernsehsendungen
  • Strategiespiele
  • Kontakte zu gleich Befähigten ermöglichen
Mögliche Anzeichen für eine Unterforderung
Das Kind
  • will nicht in die Schule gehen
  • ist häufig „krank“, klagt über Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit
  • will seine Hausaufgaben nicht machen
  • lässt sich leicht ablenken und braucht manchmal Stunden für einfache Aufgaben
  • hat Ängste oder Wutanfälle

Stand: 16.02.2016

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